Lisa liebte Wackelpudding. Wackelpudding konnte man einfach immer essen. Nach dem Sport, wenn es Lisa mal nicht gut ging, auf der Geburtstagsfeier oder nach dem Sonntagsessen als Nachtisch. Mama wusste, dass Lisa Wackelpudding so sehr mochte. Deshalb hatte sie ihn immer für sie da. Heute war Mama viel beschäftigt. Lisa wollte sie nicht stören und da kam sie auf eine Idee. Sie wollte sich selbst darin versuchen, Wackelpudding zu machen. Wenn es ihr gelang, dann würde sie Mama damit überraschen. Lisa wusste, dass der Wackelpudding meist grün oder rot war. Da Mama erst gestern verschiedene rote Beeren gekauft hatte, wollte Lisa roten Wackelpudding aus den Beeren machen. Sie schlich sich in die Küche, ohne dass Mama es merkte. Lisa stieg auf ihren Hocker, um aus dem Küchenschrank ein Schälchen zu holen. Aus der Schublade nahm sie sich ihr kleines Gäbelchen. Das sollte reichen, um die Beeren klein und matschig zu bekommen. Sie nahm sich eine Handvoll Beeren und zermatschte sie mit der Gabel in dem kleinen Schälchen. Schnell schlich sie sich danach wieder zurück in ihr Zimmer. Dort stand nun Lisa mit den zermatschten Beeren und wunderte sich über die Farbe, die der Beerensaft hatte. Der rote Wackelpudding von Mama war immer schön hellrot. Die Beeren in ihrem Schälchen waren eher dunkelrot. Was hatte Lisa vergessen? Da fiel ihr ein, dass beim Wasserfarbenmalen die rote Farbe am Pinsel heller wurde, wenn sie den Pinsel in Wasser tunkte. Lisa kam eine weitere Idee. Wasser! Schnell ging sie mit ihrem Schälchen ins Badezimmer und füllte ein wenig Wasser aus dem Wasserhahn hinein. Schönes helles rot sah sie nun in ihrem Schälchen. Fast schon so wie bei ihrem geliebten roten Wackelpudding.

Nun, jetzt musste der Pudding nur noch wackeln. Tja, wie ging das jetzt? Lisa wollte ihre Mama heute wirklich nicht stören. Sicher hätte sie sie fragen können. Das wäre viel zu einfach. Lisa wollte es selbst ausprobieren. Und so überlegte sie, wie Mama wohl das Wackeln im Pudding so gut hinbekam. Lisa überlegte auch, was denn alles so wackelte. Stühle wackelten, wenn eine Schraube locker war. Die Waschmaschine wackelte, wenn Mama den tollen Schleudergang wählte. Wenn sie mit ihren Freunden Jenga spielte, dann wackelte nach einigen Spielzügen der ganze Turm. Man konnte mit dem Skateboard wackeln, wenn man die Füße an die Seiten platzierte, um damit ein paar Skate-Tricks zu üben. Auf dem Spielplatz konnte man mit seinem ganzen Körper wackeln, wenn man auf dem Holzbalken balancierte. Lisa musste schnell eine Möglichkeit finden, um den Wackelpudding in der Wohnung zum Wackeln zu bringen. Einen lockeren Stuhl hatten sie zwar nicht, aber Omas alter Schaukelstuhl stand neben dem Bücherregal. Lisa ging mit ihrem Schälchen dorthin, setzte sich hinein und versuchte mit etwas Schwung so zu schaukeln, dass das Schälchen in ihren Händen etwas mitwackelte. Sie hielt das Schälchen so fest, dass es ihr nicht aus den Händen fallen konnte. Scheinbar reichte das Wackeln nicht aus, denn die Beerenmasse wurde nicht zu Wackelpudding. Schade. Lisa wollte nicht so schnell aufgeben und so ging sie in ihr Kinderzimmer und holte das Jenga-Spiel aus ihrem Schrank. Schnell war der Turm aufgebaut. So ohne Mitspieler hatte Lisa den Turm bisher noch nie aufgebaut, aber diesmal ging es hierbei ja auch um Wackelpudding. Auf die Spitze des oberen Steines setzte sie das Schälchen und fing an, den Turm um – Stein nach Stein – zum Wackeln zu bringen. Das Schälchen mit dem Beerensaft darin kippte nach kurzer Zeit um eine Seite nach unten. Zum Glück fiel es nicht ganz um und so nahm es Lisa schnell herunter und schielte hinein. Lisa war ganz aufgeregt. Hatte das Wackeln gereicht? Sie schaute nach und alles was sie sah, war kein Wackelpudding. Nein, das war auch nicht das richtige Werkzeug. Was war es dann? Wie machte es Mama denn, wenn sie Wackelpudding machte? Mama fuhr bestimmt kein Skateboard und etwas zum Balancieren hatten sie auch nicht zu Hause. Was sie aber hatten und was Mama wirklich oft benutzte, das war die Waschmaschine. Sie lief jeden Tag. Auch jetzt, sie hörte doch den Schleudergang oder täuschten ihre Ohren sie etwa? Und so stolzierte Lisa mit ihrer tollen Idee, wie sie fand, ins Badezimmer. Dort stand sie, die Waschmaschine. Und wie Lisa vermutet hatte: sie lief gerade, mit Schleudergang! Lisa zögerte nicht lange und stellte das Schälchen direkt auf die Waschmaschine. Voller Erwartung starrte sie auf das Geschehen. Das Schälchen zitterte förmlich nur so vor ihren Augen. Jetzt musste es doch klappen. Das war bestimmt die Lösung. Ein besseres Wackeln gab es garantiert nicht. Bei dem Versuch nachzuschauen, hörte Lisa das Surren und Brummen der Waschmaschine. Das tat sie meist dann, wenn ein nächster Programmpunkt kam. Es machte klick, klick, zumm und dann kurz Pause. Die Waschtrommel stand still, war der Waschgang etwa schon zu Ende? Lisa streckte ihre Hand aus, um sich das Schälchen zu greifen und hineinzuschauen. Im nächsten Moment ertönte ein kleines Brummen aus der Waschmaschine und ganz plötzlich – schleuderte sie wieder los! Lisa erschrak so sehr, dass ihr das Schälchen aus der Hand fiel und… „Oh nein“, entfuhr es Lisa laut. Sie schlug ihre Hände an die Wangen und konnte ihren Augen nicht trauen. Vor ihr, an ihr und überall um sie herum lag und triefte es nur so vor Beerensaft. Na, Wackelpudding sah jedenfalls anders aus. Das hatte sich ja mal gar nicht gelohnt, dachte sich Lisa. Sie war enttäuscht.

„Wie sieht es denn hier aus? Lisa, was ist passiert?“, hörte Lisa den aufgebrachten Ausruf ihrer Mutter direkt hinter ihr. Die Mutter war ins Badezimmer gerannt und wirkte erschrocken, überrascht und ein wenig vorwurfsvoll zugleich. „Hast du Beeren gegessen?“, wurde Lisa gefragt. Sie erklärte ihrer Mutter das Missgeschick und teilte ihr mit, dass sie all das ja nur gemacht hatte, um ihre Mutter heute nicht zu stören. Lisas Mutter zeigte Verständnis und lachte gemeinsam mit Lisa über das Chaos im Badezimmer. „Komm Lisa, wir wischen das hier schnell auf. Und waschen deine Kleidung später in der Waschmaschine aus. Danach zeige ich dir, wie ich Wackelpudding mache.“. „Okay, Mama“, sagte Lisa und war schon ganz gespannt auf den letzten Teil. Als sie in der Küche standen, erklärte ihr ihre Mutter, dass das Geheimnis in der Gelatine lag. „Gelatine?“, fragte Lisa skeptisch. „Also muss der Pudding vorher gar nicht gewackelt werden, um wackelig zu werden?“ Sie lachten beide über die Annahme und Lisas Mutter zeigte ihr das Rezept ihres Wackelpuddings. Kurze Zeit später, nachdem die Zugabe der Gelatine den Pudding fest werden ließ, staunte Lisa nur so. Endlich wusste sie, wie der Pudding zu seinem Namen kam. Aus dem Badezimmer ertönte ein Piepen. Die Waschmaschine war fertig. Die Waschmaschine hatte ja so gar nichts mit Wackelpudding zu tun, fiel es Lisa ein. Sie hatte da aber eine Idee. Lisa stürzte den Wackelpudding aus der Küchenschüssel in ein durchsichtiges Schälchen und nahm sich 2 Löffel aus der Schublade. „Mama, komm mal mit“, sprach Lisa zu ihrer Mutter, nahm das Schälchen in die eine Hand und Mutters Hand in ihre andere Hand. Sie gingen ins Badezimmer. Dort stellte sie das Schälchen auf die nicht mehr wackelnde Waschmaschine. Lisa half ihrer Mutter zunächst beim Wäsche machen, die fertige, saubere Wäsche musste erstmal in den Trockner. Lisa ließ sich danach zeigen, wie sie die mit Beerensaft befleckten Klamotten in die nun leere Waschmaschine sortieren musste und ihre Mutter half ihr dabei. Dann schalteten sie gemeinsam ein neues Programm an und sahen dabei zu, wie die Waschmaschine erneut zu schleudern begann. Es war ein schönes Bild, wie der Wackelpudding in dem durchsichtigen Schälchen nur so vor sich hin wackelte. Von rechts nach links. Lisa behielt einen Löffel selbst und gab ihrer Mutter den anderen Löffel. „Wackelpudding auf der Waschmaschine“, sagte sie zu ihrer Mutter und grinste dabei. „Lass uns auf die Waschmaschine setzen und ihn essen und diesmal ohne Flecken, versprochen“. Beide lachten, der Pudding wackelte nur so und sie ließen ihn sich schmecken.

Bewerten:
[Durchschnitt: 0]