In einem Clown-Leben kam es schon mal vor, dass man nicht die zusammengehörigen Socken anzog. Das machte nichts, Clowns liebten es bunt.

In einem Clown-Haushalt kam es auch schon mal vor, dass sich im Kühlschrank direkt neben dem Käse, die gelbe, lange gesuchte Quietsche-Ente versteckte. Das war auch nicht weiter schlimm. Ein Clown erfreute sich über diesen Anblick und badete auch mit einer etwas abgekühlten Ente.

In einer Clown-Wohnung hingen auch schon mal schiefe Bilder. Bilder von vielen Auftritten des Clowns und den lachenden Gesichtern, die auf ihnen abgebildet waren.

Clown Tommy war ein beliebter Clown. Er hatte sie alle zum Lachen gebracht. Bis er pausieren musste, da die Welt nun ein wenig anders verlief. Von außen ließ das Haus des Clowns vermuten, dass sich im Inneren neben all den witzigen Requisiten, Quatsch-Artikeln und der lustigen, bunten Bekleidung, ebenfalls ein ulkiger und fröhlicher Clown befand.

Am heutigen Tag jedoch lag man mit dieser Vermutung nicht ganz richtig. Öffnete man die Tür und blickte ins Hausinnere, so fand man Clown Tommy grübelnd, mit herunterhängenden Mundwinkeln, auf. Er überlegte den gesamten Morgen, was ihm fehlte. Sicher, sein Haus wütete nur so vor Chaos und Unsinn, doch das war es nicht, dass den Clown störte. Er glaubte, etwas Wichtiges verloren zu haben. Doch was war es genau, was ihm fehlte? Vielleicht fiel es ihm wieder ein, wenn er ein paar Schritte ging. Und so packte er seine sieben Sachen und machte sich auf die Suche.

„Tommy, lange nicht gesehen. Was gibt es heute?“, hörte er Frau Kruse von der gegenüberliegenden Straßenseite zu sich rüber rufen. Der Clown blickte traurig drein und zuckte nur mit den Schultern. Er wusste nicht, was es heute gab oder besser gesagt, was es heute nicht gab?

„Hat es dir die Sprache verschlagen, Clown?“ Frau Kruse überquerte die Straße und setzte einen verwirrten Gesichtsausdruck auf. „Soll ich dir auf die Sprünge helfen? Quatsch mit Soße, war doch immer deine Antwort!“

Der Clown stand kurz auf dem Schlauch. „Quatsch mit Soße“, wiederholte er, nickte Frau Kruse leicht irritiert zu und kratzte sich hinterm rechten Ohr.
„Na, aber selbstverständlich. Das war immer deine Antwort auf diese Frage. Quatsch mit Soße. Du lachst ja gar nicht! Hast du etwa dein Lachen verloren?“

In diesem Augenblick dämmerte es dem Clown. Er wusste jetzt, was ihm fehlte. Na klar, sein Lachen! Er hatte doch tatsächlich sein Lachen verloren! Wo war es nur? Jetzt, da er wusste, was er nicht mehr besaß, vermisste er es zutiefst und wollte es augenblicklich zurück.

„Ja, ich denke schon! Ich schätze, ich bin krank. Nun hat es mich wohl auch erwischt!“
„Erwischt? Papperlapapp. Dich hat es bestimmt noch nicht erwischt. Du bist Clown Tommy und du solltest schleunigst dein Lachen wiederfinden. Einen weiteren traurigen Menschen kann diese Welt nicht gebrauchen. Und nun husch, husch. Such danach, aber schnell!“

Frau Kruse hatte Recht. Ein Clown ohne Lachen, das durfte es nicht geben. Er brauchte dringend sein Lachen wieder und am besten noch Hilfe bei der Suche.

Als hätten sie seine Gedanken gehört, liefen ihm zwei Straßen weiter, Eva und Max entgegen. Die Geschwister kannten Tommy durch ihre Eltern, sie waren früher Mitschüler und Freunde des Clowns gewesen. Tommy hatte Eva und Max schon immer zum Lachen gebracht und war auf ihren Geburtstagsfeiern aufgetreten. Vielleicht hatten die beiden Geschwister eine Idee, wo er sein Lachen hätte verloren haben können.

„Hast du schon in deiner Tasche nachgesehen?“, fragte Eva und schielte hinein. Der Clown hatte schließlich seine sieben Sachen dabei. Er sah nach, doch darunter war kein Lachen zu finden.„Nein, da ist es nicht“. Die Mundwinkel des Clowns zog es noch ein Stückchen weiter nach unten.
„Du darfst die Suche nicht aufgeben, Tommy! Versuch es mal mit deinem Wasserstrauß!“ Max hatte einen genialen Vorschlag, damit klappte es bestimmt.

Der Clown holte einen Blumenstrauß aus seiner Tasche. Dann tat er so, als würde er an den Blumen schnuppern. Gleichzeitig drückte er auf den Auslöser, wodurch ein hoher Wasserstrahl aus dem Strauß mitten in sein Gesicht spritzte und einen Quietsche-Ton erzeugte. Das war der Renner auf den Kindergeburtstagen. Alle Kinder wollten das nach der Vorführung selbst einmal ausprobieren.

Auch diesmal lachten Eva und Max. Sie hatte es noch nicht ganz erwischt, Kinder erwischte es selten. Das Lachen der Kinder hielt jedoch nur kurz an, irgendetwas fehlte zu ihrer Belustigung und sie erkannten, was es war. Clown Tommy konnte einfach nicht mitlachen! Daran lag es. Die Vorführung war nicht mehr die Gleiche ohne Tommys Lachen.

„Es ist nicht wie sonst. Mich hat es, glaube ich, nun auch erwischt. Ich kann einfach nicht mehr lachen!“ Der Clown wirkte nicht nur traurig, sondern sehr verzweifelt und ratlos.

„Ah Tommy, bei dir sind die Zwei“. Marie, die Mutter von Max und Eva, winkte den Dreien zu und lief ihnen entgegen. „Na, was gibt es heute?“, fragte sie mit ihren Einkaufstüten in den Händen, bei ihnen angekommen.

Tommy blickte zu Boden und ließ seine Schultern hängen.
„Na Quatsch mit Soße garantiert nicht“, antwortete er enttäuscht und seine Mundwinkel rutschten noch ein wenig weiter herunter.

Die Kinder erklärten ihr, dass Tommy sein Lachen verloren hatte und ohne dieses, die Welt nicht mehr die Gleiche war. Marie verstand und wollte ihnen unbedingt bei der Suche helfen.
„Ich habe da eine Idee. Wartet mal, irgendwo hab ich es.“ Marie kramte in ihrer Tasche herum und zog die Augenbrauen zusammen. Sie schien angestrengt nach etwas zu suchen.

„Hast du etwa mein Lachen in deiner Tasche versteckt?“, fragte Tommy skeptisch.
Marie musste ein wenig grinsen, noch hatte es sie nicht ganz erwischt. „Nein, naja jein, also fast sozusagen. Schaut mal hier.“ Sie zog eine Fotografie aus ihrem Geldbeutel hervor und zeigte es der Runde.

Darauf waren drei Kinder zu sehen, die versammelt um einen Tisch herumstanden. In der Mitte stand eine Geburtstagstorte mit sechs Kerzen darauf.
„Das war an meinem Geburtstag damals, erinnerst du dich Tommy? Die bunten Klamotten waren damals schon dein Markenzeichen. Hier zeigtest du uns deinen neuen Sketch und musstest dabei selbst mitlachen“

„Das ist Clown Tommy?“, fragten die Kinder erstaunt, wie aus einem Mund.
„Ja, ich erinnere mich.“, wisperte Tommy vor sich hin.
„Er brachte uns damals schon alle zum Lachen. Erinnerst du dich an diesen Moment, Tommy? Und an dein eigenes Lachen? Wie es klingt?“

Der Clown dachte angestrengt nach. Alle drei starrten ihn an und fragten sich, ob ihm das Foto bei der Suche half. Dann streckte Tommy seine rechte Hand aus, führte Daumen und Zeigefinger aufeinander zu und berührte kurz die Fotografie mit seinen Fingern. Im nächsten Moment schloss er die Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger, tat so als picke er etwas auf, zog seine Hand wieder zurück und tippte sich mit den sich berührenden Fingern kurz auf den Mund.

Plötzlich erklang ein nicht mehr so vertrauter Klang in den Straßen. Alle Blicke, auch die der anderen Passanten, waren schlagartig auf den Clown gerichtet. Dieser Klang war hell und mitreißend, man hatte ihn eine ganze Weile schon nicht mehr gehört.

Tommy sprang im Kreis herum und lachte sein lautestes Lachen. Endlich hatte er es wiedergefunden. Er hörte gar nicht mehr auf zu lachen, so sehr freute er sich über das Wiedersehen. „Du hast mir so gefehlt!“, rief er laut zu sich selbst und berührte dabei seine rot geschminkten Lippen, die sich bogenförmig nach oben gezogen hatten.

„Juhuuu“, riefen seine Freunde gemeinsam und lachten mit. Tommys Lachen hatte sie auf Anhieb angesteckt. Die Welt hatte sich gar nicht verändert, nur die Umstände waren es.
„Du hast dein Lachen nie wirklich verloren“, vermutete Marie. „Du hast es nur in der Vergangenheit abgelegt und brauchtest einen kleinen Denkanstoß aus einem anderen Blickwinkel.“
„Danke Marie! So schwer war die Suche ja gar nicht!“

„Und Tommy, was gibt es heute?“, fragte Max nun neugierig.
„Quatsch mit Soße“, rief der Clown freudestrahlend, stemmte seine Hände in die Hüften und zeigte ihnen stolz sein extrabreites Lachen im Gesicht.


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