…dieses, ähm, also ich meinte. Was wollte ich denn eigentlich sagen? Oder wollte ich etwas haben? Was war es nochmal? Oh Mist, ich HABS VERGESSEN! Gerade eben war es noch da und jetzt ist es einfach weg. Pfutsch. Adieu. Vielleicht fällt es mir irgendwann wieder ein, vielleicht auch nicht. Kennst du das auch?

Jeder von uns kennt diese Situation, oder? Was wir bisher nicht kennen ist der Ort, an dem sich alles „Vergessene“ versammelt. Das denke ich mir dann immer. Es gibt ihn bestimmt, diesen Ort, an dem sich dieses „Vergessene“ in die Hände klatscht und sich darüber freut, uns eins ausgewischt zu haben. So auf die Art: „Da kommste jetzt nicht drauf, wa?“ Ja, mein persönlicher „Vergessen“-Ort spricht berlinerisch. Keine Ahnung warum, so stelle ich es mir eben vor und finde es witziger…Zurück zum Vergessen, jetzt hätt ich doch glatt das Thema vergessen…

Ich behaupte, manchen von uns passiert es sogar mehrfach täglich. Mehrmals täglich verschwinden mehrere „Vergessenes“ an diesem sonderbaren Ort und tauchen dort einfach unter. So als Streich des eigenen Kopfes.

Als Kind hatte ich immer, wenn ich mal wieder etwas vergaß, als Entschuldigung parat: „Sorry, meine Festplatte oben ist voll. Da ist kein Platz mehr für neue Infos.“ Tatsächlich habe ich es noch Jahre danach geglaubt, dass dies der plausible Grund für das Vergessen ist, bis ich durch die Wissenschaft eines Besseren belehrt wurde. Und Achtung, es gibt noch ein anderes Phänomen, das es zu unterscheiden gilt, nämlich: „Ich hatte eh kein Interesse und habe nicht zugehört.“ Das habe ich als Kind auch oft gedacht, aber natürlich nie gesagt. Pscht!

In diesem Beitrag geht es auch nicht um das krankhafte Vergessen, das einen eigenen Namen hat. Es geht mehr um dieses alltägliche Vergessen, da etwas nicht wichtig genug ist oder man zu viel im Kopf hat, dass da einfach schon mal was verloren gehen kann oder man abgelenkt wird und sich dadurch etwas anderes in den Vordergrund stellt und das „Vergessene“ an den Ort schickt, an dem es sich zu den anderen „Vergessenen“ von uns gesellt usw.

So richtig blöd wird’s beim alltäglichen Vergessen vor allen Dingen dann, wenn es ein menschliches Gegenüber gibt, das dadurch böse oder gar beleidigt wird. Jeder von uns hat doch sicherlich schon mal einen Geburtstag der Lieben vergessen oder „uppsi“, auch mal den Hochzeitstag. Ja, das passiert halt mal. Ich behaupte mal, dass es den meisten nicht absichtlich passiert (na hoffentlich nicht) und doch ist es ärgerlich und macht unser Gegenüber wütend. Dann denkt man sich vielleicht im Gegenzug, man sollte lieber Gegenstände oder Orte vergessen.

Im Gegenzug zu Menschen können einem Gegenstände oder Orte doch nicht böse sein! Vielleicht sollte man sein „Vergessenes“ eher darauf hinlenken, damit es keine Streitigkeiten mehr gibt und man sich höchstens nur mit sich selbst zoffen muss. Wie zum Beispiel: Man läuft ins Bad und wollte eigentlich doch gerade irgendwas aus dem Wohnzimmer holen. Was war es noch gleich? „Verflixt nochmal, jetzt streng dich an, Kopf! Was war es nochmal?“

Wer kennt es nicht? Also läuft man zurück ins Wohnzimmer und zerbricht sich den Kopf darüber, was es war. „Wo war die Stelle, an der ich stand?“, fragt man sich dann vielleicht. Manchmal fällt es einem ein (ich bin überzeugt davon, dass man nicht genau exakt an der gleichen Stelle stehen muss und doch tut man es einfach aus fester Überzeugung), meistens fällt es einem aber nicht wieder ein. Da hat sich der „Ort des Vergessenen“ vergrößert und die ganzen vergessenen Sachen feiern dort eine wilde Party, da sie Zuwachs bekommen haben. Party on!

Statt zu ärgerlichen Situationen, kann es durch „Vergessenes“ auch zu peinlichen Situationen kommen. Oder sagen wir besser zu unangenehmen Situationen, und zwar dann wenn man als besonders eloquent und klug auftreten will und es einem dann….so ganz plötzlich die Sprache verschlägt. „Da gab es doch da diesen einen Spruch“, denkt man sich dann vielleicht oder man glaubt, man könne gleich etwas sinnvolles beitragen und alle anderen sind bestimmt gleich erstaunt über die eigene Intelligenz/Schlagfertigkeit. Man setzt an, öffnet den Mund und…Mist! Alles was rauskommt: Heiße Luft. Man denkt sich: „Ich wollte doch gerade stolz mit meinem Wissen protzen. Jetzt ists mir doch glatt entfallen, was ich sagen wollte.“ Alle Augen sind in dem Moment auf sich selbst gerichtet. „Ja, nun sprich schon…“, denken sich die anderen. „Tja, gerade eben lags mir noch auf der Zunge“, denke ich. „Ich HABS VERGESSEN.“, höre ich mich selbst sagen. Und ätsch, denkt sich dieser böse, böse „Ort des Vergessens.“

Andere Emotionen, die durch „Vergessenes“ hervorgerufen werden, sind diese kleinen Momente der Angst, gefolgt von Mini-Schweißausbrüchen. Wenn das Vergessene nämlich schleunigst wiederhergestellt werden muss, weil man es – jetzt und sofort – unbedingt braucht!

Der PIN unserer EC-Karte oder der gesamte Geldbeutel, den man doch eben noch in der Hand hielt. Ein Klassiker, der oft im Parkhaus oder in der großen Innenstadt widerfährt: Das Auto, wo hatte man es nochmal geparkt? Man hatte es eilig und ist einfach schnell los. Ist es doch oft die Gewohnheit und das Unterbewusstsein, die diese Dinge festhalten. Und kaum läuft etwas mal ein klein wenig anders – ZACK – hat wieder dieser „Ort des Vergessens“ zugeschlagen und unser Hirn angezapft. Na danke auch! „Gib es mir zurück! Ich brauche es jetzt dooohoch“, quengelt man dann innerlich herum. Bringt aber nix. Es ist WEG. Naja, manchmal kommt es wieder. Und dann ist es wieder WEG – beim nächsten Mal. Einfach, um uns bei Laune zu halten und uns diesen netten Streich zu spielen. Immer und immer wieder.

Richtig gefährlich kann es unter Umständen auch werden…Wenn man vergessen hat, die Herdplatte auszuschalten. In den meisten Fällen (zum Glück!) ist sie jedoch nie an gewesen. „Uppsi, umsonst verrückt gemacht. Hihi, am besten niemandem davon erzählen, ist ja nochmal gut gegangen.“

Kinderlieder (fast alle), Mathe-Formeln (Hä, was sind nochmal Mathe-Formeln?), Erinnerungen (seeeehr viele), unser Portmonnaie (manchmal), das Glätteisen (hoffentlich nicht allzu oft), unser letztes Essen (habe ich heute überhaupt schon gegessen?), das letzte Mal duschen (Hilfäääää, bitte nicht zu oft). Ja, ständig und alle, vergessen wir etwas. Leider oder zum Glück! Es gehört eben dazu. Aber das allerwichtigste ist doch, man sollte…

Was wollte ich nochmal schreiben? Doof, ich komme gerade nicht drauf. Ich glaube, ich HABS VERGESSEN! Okay Leute, fällt mir bestimmt gleich wieder ein. Ich geh mal danach suchen…..

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