Es sind meist die Gleichen, die von Gleichberechtigung reden und sich dann selbst nicht so wirklich daran halten. Gleichberechtigung bedeutet nicht nur, dass auch mal die Frau dem Mann die Türe aufhält oder mal die Frau zum Essen einlädt. Auch eine Mama zu respektieren und sich für ihre Nebentätigkeiten neben dem Mama-Dasein zu interessieren, auch das nennt sich Gleichberechtigung. Immer wieder schön zu beobachten, wie sich die Menschen kein bisschen dafür interessieren, ja es noch nicht einmal mitbekommen, dass ich noch etwas anderes bin als nur Mama. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es Mama zu sein und mache sehr viel für mein Kind. Nahezu 20 Stunden des Tages gehören immer wieder nur meinem Kind. Aber zwischendrin, in den Minuten, die ich zwischendrin habe und auch manchmal währenddessen (ja, Multitasking sei Dank) mache ich sehr viel nur für mich. Werde ich danach gefragt? Selten! Nimmt man es überhaupt wahr? Manchmal gar nicht.

Mein Mann hat Elternzeit, das finde ich wunderbar. Viele andere auch, scheinbar hört man es nicht sehr oft, dass Papas Elternzeit nehmen. Daher erhält es doppelte Aufmerksamkeit. Das freut mich. Was mich jedoch nicht freut ist, dass plötzlich aus dem Nichts ein riesengroßes Interesse dafür aufkommt, was mein Mann denn in seiner Elternzeit neben dem „mit dem Baby Zeit verbringen“ noch so schönes vorhat. Da es Vielen ja wie Urlaub erscheint. Pause. Ach so, ich als Mama, die nun 2 Jahre lang Elternzeit beantragt hat, muss sich also nur ums Baby kümmern und macht sonst gar nichts? Seit 6 Monaten bin ich bereits in meiner Elternzeit und werde kaum gefragt, wie es mir eigentlich geht. Was meine Arbeit macht; was ich noch so mit meiner Freizeit, meinem „Urlaub“, anfange. Wie ich mich damit fühle, dass ich meinem Hauptjob nicht mehr nachgehe und wie ich mich in der Arbeitswelt fit halte, um nicht den Anschluss zu verlieren. Wie ich zur Politik stehe oder ob ich meinem Tanzen/meinem Sport eigentlich gerade nachgehe. Danke schön, für das in die Ecke drängen! Tja, ist ja eine Selbstverständlichkeit, dass Mamas nur nach Babys schauen und sich dabei selbst vergessen bzw. nichts mehr für sich machen. Selbstverständlich Mama, was sonst? Ist wohl eine Selbstverständlichkeit, dass Papas in ihrer Elternzeit feiern, sich besaufen, wegfahren oder sich mal wieder alleine mit Kumpels treffen dürfen. Dass Mamas das machen? Naaaaheeeeeeiiiin, das wäre ja empörend bzw. dafür bleibt doch keine Zeit oder tut es das etwa doch?

Irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass das alte Bild der typischen Hausfrau und Mutter doch noch in den Köpfen der meisten Menschen schlummert. Dass ich nebenbei zig Mobiles in Handarbeit gefertigt habe (nicht nur für mein Baby, sondern vor allem einfach so für mich); dass ich in der Zwischenzeit mehrere Kleinromane geschrieben habe und auf dem Weg bin, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen; dass ich in der Zwischenzeit stetig up-to-date bleibe in der Human Resources-Welt, da ich meinen Job über alles liebe und mich freue, nach der Elternzeit wieder einzusteigen; dass ich mehreren Sportarten gleichzeitig nachgehe und dass ich immer noch sehr viel in meiner Freizeit organisiere und Zeitmanagement betreibe, weil es mir einfach Spaß macht; dass ich 2x am Tag koche und bald ein eigenes Kochbuch herausbringen könnte; ja und sogar dass ich meine Haare nach so langer Zeit um 30 cm habe abschneiden lassen und damit nun auch meine Strähnchen weg sind…. Das alles ist – so traurig wie es ist – sehr Vielen entgangen. Mir geht es nicht darum rund um die Uhr über mich zu reden. Ich bin tatsächlich sogar eher der bescheidene Typ und mag das gar nicht. Wenn ich als Kind Erfolge eingeheimst habe, dann bin ich damit nicht hausieren gegangen. Warum auch? Ich habe mich im Stillen für mich selbst gefreut. Aber wenigstens einmal danach gefragt zu werden, wie es einem so geht. Das ist ja nicht zu viel verlangt, oder? Der Hammer, dass das viele Leute echt verlernt haben. Die Frage kommt nicht sehr häufig, schade. Sich jetzt jedem aufzudrängen mit: Ach ja übrigens, ich habe in der letzten Zeit angefangen zu schreiben, mit dem Ziel, es bald an Verlage zu schicken, erscheint mir da doch ein wenig aufdringlich und lächerlich. Es gibt nämlich nichts schlimmeres als vorgegaukeltes Interesse. Dann will ich lieber gar kein Interesse. Oder sagen wir mal lieber unbewusstes Denken à la „Naja, die hat doch bestimmt eh keine Zeit für andere Dinge als ihr Baby.“ Ich lasse diese Menschen in ihrem Glauben. Entweder es möchte jemand wissen, was ich so nebenher treibe oder eben nicht.

Dies ist ein Ratschlag für alle, die mit Mamas zu tun haben oder mal zu tun haben werden: Denkt an die Gleichberechtigung! Ihr wollt selbst geschätzt werden für das, was ihr seid und was ihr macht? Dann zollt dies auch eurem Gegenüber. Man spielt nämlich nie nur EINE Rolle im Leben, keiner von uns. Auch du nicht.

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