Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Wenn ich mir alleine mein letztes Jahr anschaue, kann ich das absolut bestätigen. Wer kennt es nicht? Aus Zeitmangel, da man ja so enorm großen, unerträglichen Hunger hatte oder es überhaupt keine einzige, viel zu lange, Millisekunde mehr aushalten konnte, wird die Nudeltüte statt mit einem sauberen Scherenschnitt halt eben mal schnell mit dem Messer aufgestochen. So, Tüte auf, tropf, tropf, tropf. Hä, ist der Topf mit Wasser etwa undicht?! Nein, alles in Ordnung mit dem. Der Finger ist es! Er tropft, da ich ihn versehentlich erwischt hab. Aua! Na klasse. Also, schnell ein Pflaster her. Ja Moment, hab ich denn eigentlich welche?

So oder so ähnlich ist es bestimmt jedem schon mal gegangen. Die Schere ist schuld, die sich mal wieder irgendwo rumtreibt, aber unauffindbar ist. Nein, der Hunger war es. Eindeutig der Hunger! Es musste doch schnell gehen. Oder vielleicht doch meine eigene Schusseligkeit? In der IT-Welt heißt es übrigens: In 95% der Fälle handelt es sich um einen Anwenderfehler. Der Fehler sitzt meist zwischen Tastatur und Stuhl. Der Mensch ist schuld, oder besser zu blöd, zu unaufmerksam, zu unachtsam. Nicht das System, der Rechner oder das Programm. Kleiner Exkurs in die IT-Welt. Vielen lieben Dank ihr IT-Experten, dass ihr uns immer wieder helft, danke für eure stahlharten Nerven und eure Geduld mit uns Laien!

Auch wenn wir alle es doch eigentlich wissen, reden wir uns immer wieder ein, dass doch die größten Gefahren nicht zu Hause, sondern eher draußen, vor der Haustüre lauern. Die vielen Autounfälle, Flugzeugabstürze, der Fallschirmsprung, das Streicheln domestizierter Löwen im Urlaub, allergische Reaktionen nach Wespenstichen, ungünstige Bauchplatscher im Schwimmbad, die hohen Absätzen, mit denen man auf der nächsten Hochzeit über das Parkett strauchelt, etc. Die Liste ist mal wieder lang.

Aber die wenigsten Leute reden davon, dass sie Angst haben, am nächsten Tag aus dem Bett zu steigen und dabei über die Tasse zu stolpern, die man doch erst letzten Abend nur kurz dort abgestellt hatte und gleich wieder wegräumen wollte, aber man eingeschlafen ist und es danach vergessen hatte. Bei dem Versuch aus dem Bett zu steigen, passiert es dann: Boom, krach, autsch. Voll über die Tasse gestolpert, dann gegen die Kante des Bettes gestoßen, das Knie, noch dazu den Arm und zum Schluss auch noch den Kopf angehauen. Das hatte keiner kommen sehen. Man hörte keine Ratschläge à la: „Pass bloß auf, wenn du morgen früh aus dem Bett steigst, nicht dass du dich aufritzt oder dein Bein brichst.“ Oder „Steig bloß nicht auf die Leiter, um die Kiste mit den Fotos herunterzuholen! Das könnte dir dein Genick brechen, wenn du blöd aufkommst. Dann bist du tot.“ Nein, natürlich nicht. Das wäre ja auch zu dämlich, wenn es so zu Ende gehen würde. Das konnte bestimmt nicht passieren, naheeeein. Stattdessen stellt man sich halt doch eher bei jedem Flug vor, dass es gleich passieren müsste. DER Flugzeugabsturz und genau mich trifft es jetzt gleich, ganz bestimmt! Oder man erzählt Freunden vom nächsten Abenteuer in der Wildnis und bekommt eher jene Ratschläge, mit größter Vorsicht an die Sache heranzugehen und es eventuell doch noch einmal zu überdenken. Schließlich ist das ja vieeeel zu gefährlich. Wenn ich jedoch davon erzähle, dass ich später daheim noch eine Glühbirne auswechseln möchte, höre ich selten den Ratschlag: „Mach das bloß ganz vorsichtig! Und denk daran, den Stromkreis zu unterbrechen und den Schalter im Sicherungskasten umzulegen! Am besten ich schicke dir später nochmal eine Erinnerung per WhatsApp, nicht dass du es vergisst!“

Die meisten Unfälle passieren im trauten Heim und nicht im Straßenverkehr. Ja, tatsächlich! Statistiken zufolge sogar mehr als die Hälfte an Fällen, in denen Menschen durch einen Haushaltsunfall ihr Leben lassen müssen als auf der Straße. Ist das nicht traurig und erschreckend? Wieso bekommt man dann viel zu wenige Ratschläge für den Haushalt? Wieso sind die Menschen so gestrickt, dass sie sich jegliche Horrorszenarien nur bei Freizeitbeschäftigungen, Erledigungen und Vorhaben ausmalen? „Dies und jenes könnte dir dort draußen passieren!“ Oft bekomme ich ausgemalt, was passieren KÖNNTE. Stattdessen ist mir bisher noch nie etwas von diesen Prophezeiungen zugestoßen. Viel eher und viel zu oft ist mir daheim etwas zugestoßen! Ja, fragt denn mal einer danach? Wieso wird das so oft ignoriert?

Angst. Ein großes Wort, das doch sofort das gleiche Gefühl in einem auslöst. Angst vor dem Unbekannten, das uns noch nicht vertraut ist und da draußen lauert. Trautes Heim ist ja doch sehr vertraut. Da hat Angst einfach kein Zimmer. Angst ist leider ein ständiger Begleiter. Dies führt jedoch zu einer anderen Geschichte… Daher lassen wir die Angst mal so stehen und verabschieden uns wieder von ihr. Tschüssi!

Ein Denkzettel für die Zukunft:

Such nach deiner Schere, auch wenn du Hunger hast. Dein Finger wird es dir danken.

Warte mit deiner Leiter am besten, bis du jemanden hast, der dir beim Festhalten helfen wird. Dein Körper wird es dir danken.

Knipse das kleine Licht an, wenn du des Nachts umherwandelst. Es wird sicherlich nicht schaden und weiterschlafen kannst du danach immer noch.

Google sicherheitshalber noch einmal nach, wie genau und wie sicher man eine Glühbirne wechselt, bevor dir dein eigener Stolz dir sagt, dass du das doch mit links schaffst und ja wohl eine simple Glühbirne wechseln kannst.

Und lieber Notruf, Ärzte, Rettungssanitäter und liebe Menschen, die uns helfen, egal wie: Vielen Dank für eure Geduld, eure Nerven, eure Nachsicht! Nächstes Mal mach ichs besser und erspare euch das Wiedersehen. Leiter, Messer, Kanten, Licht, sind manchmal (leider viel zu oft) auch für Erwachsene nicht….

Oder ganz schlicht und ergreifend: safety first @ home! So be safe people!

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