Bla, bla, bla… Das denk ich mir immer, wenn ich diesen Satz höre. Bla, bla bla, weil mich der Rest nicht interessiert und ich anderer Meinung bin. Versucht mal jemanden zu überzeugen, dass heute auch ziemlich schön ist, wenn er „alt“ und festgefahren in seinen Gedankenstrukturen ist. Alt definiert jeder bitte selbst, wie er möchte. Ach, alt darf ich nicht sagen, weil du dann eingeschnappt bist? Alt sein ist aber nun mal ein Fakt, den man nicht bestreiten kann und nur dein Problem, wenn du dich davon gleich angegriffen fühlst. Denn dann ist dein Alter für dich ein Problem, scheinbar. Für mich aber nicht, ich sagte ja nur alt und nicht dass dein Leben weniger gut war als meines jetzt. Zweites ist nämlich eine Behauptung, die nicht stimmt, da ich schließlich nur subjektiv beurteilen kann, wie dein Leben mal war. Schließlich ist es doch etwas ganz anderes, wie du dein Leben siehst, nicht? Indem du MIR sagst, früher war alles besser, bestimmst schließlich ja DU auch für mich, dass mein Leben heute weniger gut ist als deines damals war oder etwa nicht? Schon mal darüber nachgedacht, dass das eine ziemlich krasse und beleidigende Aussage ist? Ist mir schon klar, dass du das nicht so gemeint hast, aber so kommt es eben an, wenn du deine Vergangenheit als etwas besseres bezeichnest als heute meine Gegenwart ist.

Ist es doch auch so, dass dieser Satz mal wieder pauschalisiert und einfach alles durch das Wörtchen „alles“ über einen Kamm schert. So etwas mag ich generell nicht, ist schlicht und ergreifend falsch und regt mich nur auf. 

Hier nämlich mal ein Gegenbeweis: Früher wurde man durchschnittlich nicht so alt wie heute, früher gab es 2 Weltkriege, früher gab es die Mauer, früher gab es nicht so gute Pflegemittel wie heute und die Menschheit stank mehr, früher hatte man gar keine digitalen Medien oder Suchmaschinen, um sich mal eben schnell weiterzubilden und etwas nachzuschlagen oder sich an einen Ort zu navigieren, an den man sonst nur umständlich mit Stadtkarten gefunden hätte oder gar die Suche aufgegeben hätte, weil man einfach die Straße, die man hätte abbiegen sollen, nicht gefunden hat. Schon mal darüber nachgedacht, dass heute gar nicht so schlecht ist? Ja, oder gar besser ist als früher? Auch eine Pauschalisierung, die nicht okay ist. ICH bin ja aber auch nicht die Person, die solche Sätze einfach ausspricht, ohne darüber nachzudenken, welche Bedeutung sie eigentlich haben. Denn dann würdet ihr, die alt sind, ja euch auch angegriffen fühlen, da ihr dann erst merkt, wie schlecht es euch eventuell doch früher ging? Es ist doch egal, was damals und was heute ist, oder? Im Grunde genommen geht es uns allen doch nur darum, was wir daraus machen und dass es uns gut geht! Da man früher nicht so alt wurde, wurde eben früher geheiratet und es wurden eher Kinder gezeugt, um nichts im Leben zu verpassen. Quasi nach vorne verlagert, heute lässt man sich mehr Zeit für vieles oder lässt es sogar ganz sein. Hatte man früher das eine Eck in der Nachbarstadt nicht gefunden, das einem doch so empfohlen wurde, so machte man eben an einem anderen Eck bzw. Plätzchen Halt und genoss die Zeit eben dort. Man machte eben das Beste daraus.

Wenn wir schon mal bei Klischees sind, so ist doch die Meinung der „Alten“ (hey, immerhin zähle ich mit meinen zarten 31 Jahren ebenfalls dazu, aus Sicht eines Kleinkindes, also regt euch mal ab bitte) auf die heutige Jugend: Die starren ja eh nur alle auf ihr Smartphone, Tablet etc. und verdummen; Die machen ja gar keinen Sport mehr wie früher; Die treffen sich ja gar nicht mehr so mit ihren Freunden wie wir damals; Die besuchen ja gar keine Tanzkurse mehr und denken Walzer wäre der Nachbar von nebenan statt ein Grundschritt; Die bieten einem ja noch nicht einmal einen Sitzplatz an, wenn man ihn im Bus oder in der Bahn nötiger hat etc… die Liste und das Meckern sind lang. Okay, stimmt, es sind ja immer auch alle Menschen gleich, stimmts? Nee, ist schon klar.

Tatsächlich habe ich in letzter Zeit sehr schlechte Erfahrungen mit einigen Ü50-Jährigen gemacht, da man mich mit dem Fahrrad ohne Grund fast umgenietet hat. Mit Kinderwagen und Baby darin, wohl gemerkt! Blöd angemacht wurde ich, als ich mal nicht über mein Handy zu erreichen war, als ich mir eine handy-freie Zeit gegönnt habe, schließlich müsse ich doch in meinem Alter immer und überall zu erreichen sein. Ich bemerkte, dass man mir und meiner Begeisterung fürs Tanzen überhaupt keine Beachtung schenkte und sich eher skeptisch zurückhielt, statt mal nachzufragen, was ich da eigentlich alles so tolles mit meiner Freizeit mache statt nur blöde TV zu glotzen daheim (was ich im Übrigen auch oft und sehr gerne mache, aber selbst danach fragt man ja nicht mal). Ich ärgerte mich über diese Menschen, da man mir als Schwangere keinen freien Platz angeboten hatte und ich eher stehen musste als mich hinsetzen zu dürfen (ja, ich hätte fragen können, hab ich aber nicht, da ich so fit war, dass mich das Stehen nicht umgebracht hat). Man kritisierte mich sogar einige Male, dass ich ziemlich viele Freunde habe, mit denen ich mich ziemlich oft treffen würde, so dass jedes Wochenende voll ist und dies scheinbar den „Alten“ aufstößt, da man ja viel zu viel unterwegs sei anstatt auch mal häuslich zu sein und doch auch mal ein Wochenende nichts zu tun und sich familiärer zu verhalten. Wie man es macht, ists auch verkehrt. Aber wisst ihr was? Bei all dem habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet wie es wohl früher so war, weil ICH im Hier und Jetzt lebe und es mir bei all dem gut geht. Ich hoffe, DU ebenso. Ich sage auch nicht, dass ALLE alten Menschen blöde sind, nur weil ich mal mit einigen wenigen schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich pauschalisiere ungerne, weil es auch nicht in Ordnung ist.

Ja, als 80-er Jahrgangsmensch habe ich sowohl analog als auch digital erlebt und mir ist es egal, zu was sich andere entscheiden. Beides hat Vor- und Nachteile. Ich nehme trotzdem lieber ein Hardcover-Buch in die Hand statt mir ein ebook zu gönnen, wenn ich die Wahl habe. Ich schreibe weiterhin meine Ideen oder auch Einkaufszettel lieber handschriftlich auf statt sie auf einer Tastatur zu tippen, telefoniere lieber gerne oder noch besser treffe mich lieber mit Menschen als mit ihnen zu texten. Navigiere mich genauso gerne mit googlemaps zu meinen Orten und genieße ab und an doch Mr. Und Mrs. Technologie (auch wenn ich mich dennoch oft verlaufe oder verfahre. Bei Gott, ich verstehe auch nicht, wie mir das ständig passieren kann?!?!…).  Das ist mein Weg und mein Leben, das zählt für mich. Für andere zählt wiederum etwas anderes, völlig in Ordnung.

Ja, es gibt sie, die Jugendlichen, die rotzfrech sind und randalieren, rebellieren und stinkefaul sind. Es gibt sie auch, die Alten, die höflich sind, von denen man noch lernen kann und vor denen man den nötigen Respekt hat, da sie es verdienen. Aber es ist auch genauso umgekehrt: Letztens traf ich 20 Jugendliche nacheinander, die mir einfach so unabhängig voneinander und ernst gemeint einen schönen Tag gewünscht haben und genauso die Alten, vor denen ich mal keinen Respekt hatte, mir egal wie alt sie waren, weil sie mir auch keinen Respekt gezollt haben und sich hätten schämen sollen für ihr Verhalten. So oder so, es ist weder besser noch schlechter. Es ist wie es ist und die Leute sind, wie sie sind. Sie waren es früher schon und sie sind es heute noch. Lebt doch mal bitte im Hier und Jetzt und schaut euch mal um, statt in der Vergangenheit zu schwelgen, die auch nicht immer und ausnahmslos rosig war. Auch und manchmal vor allem von der heutigen Jugend lässt sich vieles lernen, was man vorher nicht konnte und wusste. Pauschal ist scheiße und war es früher auch! Und alles ist nicht das Eine oder das Andere. Achtet auf eure Wortwahl und seid etwas empathischer, darum bitte ich. Denn das bin ich jetzt auch: DEIN Leben war geil und ist es auch heute noch, genieße es so gut es geht, mein alter Freund und schau nach vorn. Genauso ist MEIN Leben super cool und ich würde mich riesig freuen, wenn du dich mal dafür interessieren würdest statt nur hoch zu loben, wie toll deines damals doch war und wie schlecht es doch meiner Generation heute nur gehen muss. Ach ja und einer frisch gebackenen Mama mit Kind zu sagen, dass sowieso schon Hopfen und Malz verloren ist, wenn man sich die heutige Jugend mal anschaut und was aus ihr geworden ist, unterstellt ja, dass mein Kind ja nur verkorkst werden kann und es entweder ein Tyrann oder ein Faultier wird und es gar keine andere Wahl hat, etwas Tolles aus seinem Leben zu machen oder wie? Vielen lieben Dank, sehr nett von dir, das merk ich mir! Generation von morgen: Macht es bitte gut und weder besser noch schlechter. Ihr kriegt das hin, da bin ich sicher!

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